Kraut im Ohr - der Wildkräuter Podcast von Wild Weib Web

Kraut im Ohr

– Folge 71 –
Natur macht schön. Alles über Naturkosmetik mit Anke Randegger

SHOWNOTES

Natur ist schön, Natur macht schön: Wie du ganz einfach Kosmetik aus Kräutern und ein paar wenigen Grundzutaten machen kannst, verrät dir in dieser Folge Anke Ajana Randegger, Pharmazeutin und Expertin für Phytotherapie und Pflanzenheilkunde. Tauche mit uns ein in die Welt der Naturkosmetik und lass dich von Mutter Erde und von dir selbst einfach ein wenig verwöhnen.

In dieser Folge erfährst du
# was Naturkosmetik eigentlich ist und ausmacht
# warum sie so wirksam ist
# wie du blitzschnell oder genüsslich mit Zeit tolle Pflegeprodukte herstellen kannst
# was du brauchst, um im Handumdrehen selbst deine Wunschpflege herzustellen.
# was du bei der Herstellung beachten kannst
# welche Tricks zum Haltbarmachen es gibt
# wie du deinen Pflegeprodukten den letzten Schliff gibt
# ein bißchen Chemie fürs perfekte Hautgefühl

 

Das Interview mit Anke Ajana Randegger

Melanie: Hallo und ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kraut im Ohr, deinem Wildkräuter Podcast. Heute geht es um Naturkosmetik. Du wirst in dieser Folge erfahren, warum Naturkosmetik so wertvoll ist, was du benötigst, um deine eigene Naturkosmetik herzustellen und wie du, das finde ich besonders spannend, deine eigene Naturkosmetik haltbar machst.

Und was du letztlich dafür brauchst um deine eigene Naturkosmetik herzustellen. Du wirst sehen, es ist im Prinzip kein Hexenwerk. Jetzt möchte ich gerne meinen Interview Gast vorstellen.

Ich habe nämlich dafür eine absolute Spezialistin hier bei mir im Interview. Das ist die Anke Ajana Randegger. Anke ist eine ganz tolle Frau, eine sehr naturverbundene Frau mit dem speziellen Hintergrundwissen.

Sie hat ein Pharmazie Studium gemacht, was ich unglaublich beeindruckend finde, hat aber auch unter anderem Weiterbildungen im Bereich Phytotherapie und bei Ceres gemacht. Sie hat auf jeden Fall einen sehr großen Wissensschatz und einen sehr großen Erfahrungsschatz.

Ich heiße dich ganz, ganz herzlich willkommen, liebe Anke, es ist super schön, dass du da bist.

Rückverbindung zur Natur

Anke Ajana: Ja, liebe Melanie, auch dir ganz vielen herzlichen Dank für deine Einladung und ich freue mich sehr, heute hier zu sein. Wie du ja schon gesagt hast, habe ich mich wirklich auf ganz unterschiedliche Weise mit den Pflanzen und der Natur beschäftigt. Schulmedizinisch Komplementärmedizin, aber auch intuitiv und spirituell.

Wenn ich jetzt so zurückblicke, spüre ich wirklich, dass darunter eigentlich eine ganz tiefe Sehnsucht in mir liegt. Eine tiefe Sehnsucht, mich wieder mit der Natur verbunden zu fühlen. Einfach auf ganz verschiedene Weisen. Es ist wie ein Teil der Natur zu werden. Oder nach Hause zu kommen, um dazuzugehören, eingebunden zu sein. In dieser Rückverbindung liegt einfach unendlich viel Kraft und Potenzial, also nicht nur für uns selber, sondern auch für unseren Planeten, für die Erde.

Und das ist es eigentlich, was ich auf der tiefsten Ebene in meiner Arbeit vermittle. Sei es, dass ich mit den Menschen in den Wald gehen, unsere Sinne öffnen oder auf Pflanzen Spaziergängen die Pflanzen besser kennenlernen. Oder eben auch, um das es ja heute geht, die Naturkosmetik, bei der ja im wahrsten Sinne des Wortes die Natur wirklich unsere Haut berührt.

Das gehört nicht in Naturkosmetik

Melanie: Das hast du super schön gesagt, danke dir! Wir steigen jetzt direkt mal ins Thema ein. Und zwar fängt es ja schon mal damit an, was überhaupt Naturkosmetik ist, also per Definition. Das ist nämlich gar nicht so klar.

Anke Ajana: Genau. Also grundsätzlich kann man sagen, Naturkosmetik ist Kosmetik, die aus natürlichen Rohstoffen hergestellt wird und somit schonender für Mensch und Umwelt ist. Es gibt aber keine gesetzliche Regelung, also keine Definition, was Naturkosmetik ist oder was keine Naturkosmetik ist.

Darum gibt es da sehr viele Zwischenstufen und Graubereiche. Aber was wir uns mal fürs Erste anschauen können ist, was sicher nicht in Naturkosmetik reingehört. Das sind all diese synthetischen Stoffe, die so nicht in der Natur vorkommen, wie Farb-, Duftstoffe und natürlich die Silikone, Paraffine, Vaseline, Erdölprodukte und so weiter. Das gehört sicher nicht rein.

Das gehört in Naturkosmetik

Und was wir auf der anderen Seite sagen können, was sicher Naturkosmetik ist. Das sind natürlich diese Stoffe, vor allem die Fette und Öle, die aus den Pflanzen Samen gewonnen werden, Pflanzen Wachse, dann die ätherischen Öle und natürlich die Kräuter Extrakte, Alkohol Auszüge und Ölauszüge. Das ja das Tolle. Die können wir selber machen aus den Pflanzen und nachher eben so in unsere Naturkosmetik einarbeiten.

Es gibt die großen Naturkosmetik Firmen wie Weleda, die haben sich so eigene Labels zugesetzt. Was erlauben sie in Naturkosmetik oder nicht? Da gibt es nahezu einen eigenen Kosmos. Also wenn man das anschauen will, dann kann man sich das Internet anschauen. Im Detail wird es dann ziemlich kompliziert.

Umgewandelte Stoffe

Aber ich möchte vielleicht noch zwei Gruppen erwähnen, die noch wichtig sind. Da gibt es Stoffe, die auch erlaubt sind in der Naturkosmetik. Das sind die Rohstoffe, wie zum Beispiel Pflanzenöl, die durch einen chemischen Schritt umgewandelt werden. Das ist eigentlich ähnlich wie beim Seife herstellen. Seife gilt ja auch als Naturprodukt.

Aber im Grunde genommen nimmt man zum Beispiel Olivenöl, gibt eine starke Lauge dazu und verseift das Ganze zur Seife. Diese Verarbeitungsschritte sind zum Beispiel bei den Naturkosmetik Konzernen erlaubt.
Das braucht es vor allem, um Seifen-Stoffe herzustellen oder auch die Emulgatoren, die Wasser und Fett miteinander verbinden.

Naturidentische Stoffe

Und die andere Gruppe, die ich noch kurz erwähnen möchte, die nennt sich naturidentische Stoffe. Das sind Stoffe, die genau das gleiche Molekül haben, wie sie in der Natur vorkommen, werden aber synthetisch im Labor hergestellt.

Das macht für mich bei gewissen Substanzen wirklich Sinn, weil es teilweise nachhaltiger ist wenn wir den synthetisieren Stoff verwenden weil es teilweise viel weniger Energie braucht, wenn es im Labor gemacht ist, als wenn man es wirklich aus den Pflanzen gewinnen würde.

Melanie: Super, das ist schon mal eine total schöne Einordnung. Man bekommt eine Idee davon was ist Naturkosmetik ist und was vor allem nicht Naturkosmetik ist.

Vorteil von Naturkosmetik

Melanie: Was ist denn prinzipiell der Vorteil von Naturkosmetik?

Anke Ajana: Ein großer Vorteil ist natürlich, dass keine naturfremden Stoffe darin vorkommen. Dadurch kann die Natur und auch unsere Körper diese Stoffe der Naturkosmetik verstoffwechseln und wieder abbauen. Also sie gehen wieder zurück in den großen Kreislauf.

Die synthetischen Stoffe, die nicht abgebaut werden können, lagern sich stattdessen irgendwo bei uns in den Fetten oder in der Natur ab.

Die Pflanzen sollten für die Naturkosmetik wenn möglich aus biologischem Anbau stammen. Und wenn wir viel Naturkosmetik einkaufen, unterstützen wir damit Bauern, vor allem in den südlichen Ländern, die dann wirklich ihre Sachen biologisch anbauen und dass die großen Firmen ihnen dann das Material abnehmen.

Das heißt, es fördert den biologischen Landbau und unterstützt auch die ärmeren Regionen, weil viele Heilpflanzen wachsen halt gerne am Mittelmeer, wo es schön warm ist.

Und natürlich ist Naturkosmetik für Allergiker ganz wichtig. Dass keine synthetischen Stoffe drin sind. Dadurch ist Naturkosmetik oft sehr viel verträglicher. Aber man muss aufpassen. Es gibt auch natürliche Stoffe, die Allergien auslösen können.

Ein Nachteil von Naturkosmetik ist oft, dass sie ein bisschen kürzer haltbar sind und teurer sind, weil einfach die Herstellung teurer ist.

Vorteile selbstgemachter Naturkosmetik

Melanie: Es macht einfach einen Unterschied, ob ich etwas nachhaltig produziere. Die Personen, die das produzieren, auch einen fairen Lohn bekommen. Ich finde, das ist ein super wichtiger Aspekt, den du da gerade genannt hast. Das hat man auf den ersten Blick gar nicht auf dem Schirm. Also mal ganz grob gesagt Naturkosmetik ist definitiv besser fürs Klima.

Anke Ajana: Ja genau. Und jetzt möchte ich noch ein bisschen differenzieren, was ist der Vorteil, wenn ich selber gute Naturkosmetik mache? Ein Punkt ist natürlich wirklich, wenn du allergische und sensible Haut hast, dass du wirklich weißt, was drin ist und Schritt für Schritt austesten kannst, was verträgt deine Haut und was nicht.

Auf der anderen Seite sehe ich immer wieder, es macht einfach total Spaß und es ist wirklich so befriedigend. Also bei meinen Kursteilnehmer, die gehen immer so glücklich am Ende vom Kurs nach Hause mit ihren eigenen Produkten.

Dieses Mischen, Rühren, schütteln…diese alchemistischen Prozesse machen einfach glücklich und dann wird die Kosmetik auch nicht nur etwas, was auf der To-Do-Liste ist, dass ich morgens noch schnell mein Gesicht waschen muss. Da kommt stattdessen das Gesichtswasser von meiner Rose, das ich im Sommer aus meiner Rose destilliert habe.

Es gibt dann diese Momente, wo ich wieder berührt werde von der Natur und du dich rück-verbindest. Und für mich ist es oft so. Meine Haut will dann endlich diese Creme wieder haben und dieses Wasser, weil es einfach so gut ist. Ja und man kann natürlich seine Produkte auch schön der Jahreszeit anpassen. Also im Winter ein bisschen reichhaltigere Sachen machen und im Sommer leichtere.

Naturkosmetik verjüngt

Melanie: Ach wie schön. Ich muss das jetzt mal gerade dazwischen sagen, weil die Zuhörer und Zuhörerinnen sehen dich ja nicht. Die können sich das Foto von dir auf unserer Webseite anschauen.

Also es unfassbar. Du hast mir letztens schon mal dein Alter verraten. Ganz ehrlich, Anke sieht ungefähr 20 Jahre jünger aus. Es ist unfassbar und so lange benutzt sie auch schon Naturkosmetik.

Anke Ajana: Also 20 Jahre finde ich jetzt ein bisschen übertrieben, aber es ist schon so, dass ich aufgrund von meiner Haut oft jünger eingeschätzt werde als ich bin. Ich würde vielleicht sagen 10 Jahre.

Was hat eine gute Tomatensuppe mit wirksamer Naturkosmetik gemein?

Melanie: Jetzt habe ich schon etwas vorweggenommen. Meine nächste Frage ist nämlich wie wirksam ist denn selbstgemachte Naturkosmetik? Denn wenn man sich jetzt nämlich eben dich anschaut, würde ich sagen sehr wirksam.

Anke Ajana: Ja, das ist auch wieder abhängig von zwei Sachen. Als allererstes einfach von der Qualität der Rohstoffe. Es ist wie beim Kochen, wenn ich eine Tomatensuppe mache mit Tomaten, die nicht nach Tomaten schmecken. Da kann ich die größte Liebe, das beste Rezept haben.

Aber es ist eine fade Suppe. Es ist wirklich wichtig gute Rohstoffe zu haben und dann natürlich auch das Rezept und die Herstellungsweise. Da muss man sich schon ein bisschen auskennen, weil jemand je nachdem wie man was herstellt, auch Wirkstoffe kaputt gemacht oder verändert werden können.

Ja, es ist eigentlich immer wieder ein bisschen wie beim Kochen und wenn man weiß, das geht, das geht nicht, dann ist es eigentlich wirklich keine Hexerei, so wie du es schon am Anfang gesagt hast.

So wirksam ist gute, selbstgemachte Naturkosmetik

Aber generell meine Erfahrung ist, dass bei trockener, empfindlicher und sensibler Haut mit Naturkosmetik wirklich ganz schnell Effekte da sind, wo die Haut sich wirklich schnell verbessert. Bei Akne, geht es einfach länger aber auch mit synthetischen Mitteln dauert es länger. Das ist nicht ganz so einfach.

Und Anti-Aging. Da ist mein Hauptfokus eigentlich vor allem mit Antioxidantien die Haut zu schützen. Da kann man wirklich eine tolle Prophylaxe betreiben.

Melanie: Bei Anti-Aging geht es ja auch nicht nur darum, von außen etwas auf die Haut aufzutragen. Da geht es ja auch um den gesamten Lebensstil.

Anke Ajana: Genau. Also da kann man auch nicht nur erwarten, dass man eine Creme auf die Haut tut und dann ist alles wieder weg. Wie gut deine Haut aussieht hat auch damit zu tun wie viel du schläfst, ob du rauchst, wie viel man sich der Sonne aussetzt usw..

Hyaluronsäure für glatte Haut

Melanie: Ja und das darf man da an der Stelle eben auch nicht vergessen. 20 Jahre jede Nacht feiern, Alkohol und Zigaretten kann man mit der besten Creme nicht wegmachen.

Anke Ajana: Genau. Und doch gibt es, das muss ich schon sagen, die Hyaluronsäure. Die ist ja eigentlich eine Substanz, die natürlich in unserem Körper vorkommt. Aber da fangen wir schon mit 25 Jahren an, immer weniger zu produzieren. Die kann wirklich Wasser binden in der Haut und damit kann man wirklich die Haut wieder ein bisschen aufpolstern.

Die 5 Minuten Kosmetik

Melanie: Ich kenne viele, die scheuen sich davor, das selbst zu machen, weil sie denken, dass ist irgendwie zu viel Arbeit. Aber es stimmt ja gar nicht. Also Jein. Du hast ein schönes Schema mitgebracht.

Anke Ajana: Ja, ich habe das ein bisschen aufgeteilt. Also wirklich die ganz einfache würde ich die 5 Minuten Kosmetik nennen. Da kann man wirklich mit Materialien, die du in der Küche hast oder mit ganz wenig zu kaufen, einfach in 5 Minuten Produkte herstellen.

Da gehören unter anderem meine Duschpeelings dazu, die du auch mit Salz und Küchenöl ganz einfach herstellen kannst. Aber trotzdem ist es unglaublich effektiv. Du hast nachher wirklich so eine zarte, genährte Haut. Oder Gesichtsmaske. Das sind so Sachen, die man wirklich einfach zu Hause herstellen kann und da braucht es eigentlich keinen Aufwand.

Die 15 bis 30 Minuten Kosmetik

Die 15 bis 30 Minuten Kosmetik, das sind einfach Produkte, die aus Fetten, Ölen und Wachsen bestehen. Da gehören die Lippenstifte zu, Massage Bars, feste Body Butter und einfach alles, was mit Fett zu tun hat.

Dafür brauchst du irgendwas, um die Fette zu schmelzen und das Wachs zu schmelzen. Das kann ein kleiner Topf mit Wasser sein. Man kann Marmeladen Gläser verwenden und mit einem Löffel umrühren. Das kann man eigentlich alles zu Hause machen.

Man muss nur ein bisschen Bienenwachs kaufen. Da kommen wir nachher noch zu. Rohstoffe muss man schon einkaufen und vielleicht, wenn man möchte, kauft man auch mal ein Becher-Glas oder einen Glasstab. Oder vielleicht noch eine kleine Waage, wo man kleine Mengen abwiegen kann. Aber das ist jetzt von den Kosten her keine Riesensache.

Die 20 bis 40 Minuten Kosmetik

Und dann kommt die Kosmetik, die schon ein bisschen länger dauert, weil noch Wasser reinkommt, wenn wir Cremes und Lotionen herstellen wollen. Da wird es auch von den Wirkstoffen, von den Rohstoffen aufwendiger. Es braucht schon länger Zeit, aber ich würde sagen, so 20 bis 40 Minuten.

Und dann gibt es natürlich die Freaks wie ich, die gar nicht mehr aufhören können und sich einen teuren Mixer oder eine Destille kaufen, oder eine Ölpresse. Da geht es natürlich dann ins unendliche. Aber das macht man natürlich auch nur, wenn es einem Spaß macht.

Melanie: Genau damit fängt man definitiv nicht an.

Das brauchst du für selbstgemachte Naturkosmetik

Melanie: Na schön, jetzt hast du ja gerade schon gesagt, was für Gerätschaften man braucht. Also zusammengefasst: Wenn ich jetzt gerade anfange mich mit Naturkosmetik zu beschäftigen dann habe ich letztlich fast alles zu Hause an Gerätschaften.

Du sagtest gerade, ich brauche eine Waage, ich brauche nicht mal einen Becher Glas. Ich kann das in einem Marmeladenglas machen. Einen Herd hat vermutlich jeder zu Hause und ein Topf auch. Und ein paar Gläschen um was umzufüllen. Und auch da funktionieren Marmeladen Gläser.

Ich muss mir nicht erstmal Sachen anschaffen, um loslegen zu können. Ich kann erst mal das nehmen, was ich habe. Wenn ich dann angefixt bin, kommt der Rest dann sowieso. Das ist eine total schöne Sache und eine super schöne Info. Also brauchst du im Prinzip erst mal nichts, was man vielleicht noch zusätzlich kaufen darf. Dann kommen noch die die Basis Rohstoffe.

Die Basisrohstoffe für selbstgemachte Naturkosmetik

Anke Ajana: Ja genau. Also wirklich zum Anfangen brauchen wir natürlich zuerst mal die pflanzlichen Öle, die Pflanzen und die pflanzlichen Fette. Das ist die Basis von jedem Naturkosmetik Produkt. Und die wirken schon mal von sich aus pflegend und feuchtigkeitsspendend. Da gibt es eine riesen Auswahl. Jedes Öl hat wieder eine andere Wirkung.

Und dann gibt es noch Wirkstoff Öle wie zum Beispiel, das kennt ihr sicher Wild-Rosenöl oder ein Sanddorn-Fruchtfleisch Öl. Die werden nicht in großen Mengen eingesetzt, sondern nur in kleinen. Die haben auch kosmetische und pharmazeutische Wirkungen. Sie sind entzündungshemmende, Juckreiz-stillen und heilend, Zell-regenerierend und so weiter.

Dann haben wir die Pflanzenfette, um ein bisschen Geschmeidigkeit oder Festigkeit reinzubringen, das kennt ihr sicher alle, die Sheabutter, Kakaobutter, Kokosöl.

Als drittes noch die Wachse, gerade für die festen Sachen, wie für den Lippenstift. Die geben dann Festigkeit in deine Produkte rein. Mit diesen drei Substanzen, mit dem flüssigen Öl, mit dem weichen Fett und dem harten Wachs kann man dann spielen in der Konsistenz von ganz flüssigen Produkten bis ganz harten Produkten. Also da würde ich empfehlen, diese zu Beginn zu kaufen.

So wird Naturkosmetik haltbar

Melanie: Also es ist manchmal wirklich viel einfacher als man denkt.

Jetzt kommt eine Frage, die hat mich auch lange beschäftigt. Was ist mit der Haltbarkeit von Naturkosmetik? Du hast ja ganz zu Beginn schon gesagt, Naturkosmetik, das ist so ein Nachteil, dass sie nicht ganz so lange haltbar ist. Und das ist ja wirklich wichtig wenn ich Naturkosmetik selber mache.

Dann soll die ja auch haltbar sein. Es gibt bestimmte Naturkosmetik Produkte, die ich herstelle, da rieche ich schon, dass es nicht mehr haltbar ist. Denn wenn Öl ranzig wird, dann riecht man das definitiv. Da kann man seiner Nase absolut vertrauen. Ich weiß dann Okay, das ist schlecht.

Bei Cremes allerdings, wo ich jetzt mit einer Wasser und Fettphase arbeite, sehe ich das erst, wenn es zu spät ist. Nämlich wenn schon Schimmel drauf ist. Genau das ist ja so ein bisschen tricky.

Die Haltbarkeit von fettigen Naturkosmetik Produkten ohne Wasseranteil

Anke Ajana: Das ist ein bisschen tricky. Genau. Also ich möchte vielleicht nochmals zurückkommen. Zuerst zu der Haltbarkeit der Fettphase. Also das ist wirklich abhängig erstens vom Mindesthaltbarkeitsdatum deiner Ausgangsstoffen.

Wenn du Öl verwendest, das in einem Monat abläuft, dann ist ein Produkt auch nur noch ein Monat haltbar. Aber normalerweise bewegen die sich so im Rahmen von 9 Monaten bis zu einem Jahr. Jojoba Öl, mein Lieblingsöl ist sogar zwei Jahre haltbar.

Und was man da eben machen kann ist, wenn man in die Rezeptur das Vitamin E zufügt. Das in ein Antioxidantien und das verlangsamt das Ranzig-werden deines Produktes. Und mit diesem Vitamin E schlägst du eigentlich auch zwei Fliegen auf einen Schlag, weil es auch für deine Haut super toll ist.

Es ist auch Feuchtigkeitspenden und wundheilfördernd. Also das würde ich noch empfehlen, auch in das Grundrezept immer Vitamin E dazu zu tun. Dann kannst du diese auf Fett basierten Produkte mit gutem Gewissen 1 Jahr lang nutzen.

Melanie: Vitamin E verlängert also nur die Haltbarkeit von fettigen Produkten, also von Ölen, Fetten, Wachsen, nicht von Wasserbasierten Produkten.

Haltbarkeit von Cremes mit einem Wasseranteil ohne Konservierungsmittel

Anke Ajana: Genau darum nennt man Vitamin E ein Antioxidantien. Also das verhindert das Oxidieren und ist kein Konservierungsmittel.

Konservierungsmittel sind Substanzen, die das Wachstum in der Wasserphase verlangsamen. Sie können es nicht auf Null reduzieren, aber es ist auch ein Verlangsamen. Und da hast du ja schon eben gesagt, wenn man den Schimmel bereits sieht, ist das wirklich die Spitze des Eisbergs. Die Creme war schon vorher eigentlich nicht mehr zum Gebrauch gedacht.

So und da möchte ich wirklich noch mal so ein bisschen das Feld von ganz von Anfang an aufrollen. Wenn eine Wasserphase in unseren Produkten enthalten ist und wir keine Konservierungsmittel drin haben, dann ist unser Produkt eigentlich wie ein Lebensmittel und somit vielleicht zwei, drei Tage im Kühlschrank haltbar und nicht länger.

Es gibt Möglichkeiten die Haltbarkeit zu verlängern in dem man zum Beispiel 12 bis 15 Prozent Alkohol hinzu tut. Hier können auch selbstgemachte Tinkturen verwendet werden. Durch den Alkohol verlängert sich die Haltbarkeit auf 6 bis 8 Wochen. Aber oft möchte man seine Creme noch länger verwenden.

Das Vier-Stufen Plan für eine bessere Haltbarkeit

Und da braucht es dann eben die sogenannten Natur-identischen Konservierungsmittel. Wobei diese Konservierungsmittel eigentlich auch nur die letzte Stufe in einem 4 Stufenplan sind. Das bedeutet, erstens dass von Anfang nicht viele Keime in deinem Produkt sein dürfen, das heißt, du musst alle Materialien, Gläser, Becher, Gläser, mit Alkohol desinfizieren, so das schon so wenig Keime wie möglich in deinem Ausgangsprodukt sind.

Zweitens, das Wasser, das du verwendest, muss mindestens drei Minuten gekocht werden, damit es wirklich steril ist.

Drittens, wie die Creme gelagert wird. Es kommt natürlich auch auf die Verpackung an. Wenn ich einen Dossier Spender habe, ist es viel besser, als wenn ich immer mit dem Finger in den Cremetopf gehe.

Ich sage oft meinen Klienten, sie sollen die große Menge im Kühlschrank aufbewahren und sich nur 15 Milliliter in eine kleine Dose abfüllen für die Handtasche oder das Badezimmer. Dann bleibt die große Menge schön kühl und dunkel.

Viertens kommt das naturidentische Konservierungsmittel zum Einsatz.

Cremes ohne Konservierungsmittel - geht das überhaupt?

Auf dem Markt gibt es durchaus Produkte, auf denen steht, dass sie Konservierungsmittel-frei sind. Dadurch wird leider das Gefühl erzeugt, dass es wirklich möglich ist, Konservierungsmittel-frei herzustellen. Leider stimmt eben nicht so ganz. Ist es nur eine Halbwahrheit.

Ich habe zum Beispiel schon Produkte gesehen, die ausßschließlich Fett-basiert waren, wo kein Wasser drin ist. Die müssen eh nicht konserviert werden. Trotzdem steht drauf, dass es Konservierungsmittel-frei ist.

Melanie: Das ist ein bisschen irreführend.

Anke Ajana: Aber es braucht gar keins. Zudem gibt es Substanzen, die konservieren und eine kosmetische Wirkung haben, also zum Beispiel auch feuchtigkeitsspendend sind oder Bestandteile von ätherischen Ölen, also von Düften sind. Diese Stoffe müssen nicht als Konservierungsmittel gekennzeichnet werden obwohl die konservieren.

Das fällt jedoch nur aus wenn man sich mit den entsprechenden Begrifflichkeiten auskennt. Alkohol ist eben auch oft enthalten. Also irgendwas ist immer drin, dass die Haltbarkeit verlängert. Das ist mir wirklich wichtig, dass man da nicht so drauf reinfällt, das Konservierungsmittel frei ist so ein bisschen Marketing. Es ist legal, es ist nicht verboten, aber es ist ein bisschen irreführend.

Melanie: Auch bei Naturkosmetik darf man eben genau hinschauen. Und jetzt hast du ja gerade schon die Konservierungsmittel angesprochen. Du arbeitest selber mit Konservierungsstoffe und zwar naturidentischen Konservierungsmitteln in Crems, also Fett-Wasser basierten Produkten. Magst du da noch mal kurz was zu sagen?

Naturidentische Konservierungsmittel

Anke Ajana: Ja, also da habe ich ja das Natur identische. Ich verwende beispielsweise gerne die Sorbinsäure. Diese kommt in der Natur, z.B. in der Eberesche vor. Diese jedoch natürlich zu gewinnen, wäre nicht wirtschaftlich, auch ökologisch macht es keinen Sinn. Aber man kann die einfach synthetisch herstellen. Das Molekül sieht dabei genau gleich aus wie das Molekül in der Natur.

Auch die Benzoesäure ist ein Stoff der synthetisiert wird und als Konservierungsmittel verwendet wird. Und dann haben wir noch der Benzol Alkohol. Das ist eine Substanz, die oft in ätherischen Ölen vorhanden ist. jedoch als Konservierungsmittel höher konzentriert ist. Alles drei Stoffe kommen in der Natur vorkommen, aber sie werden im Labor synthetisch hergestellt.

Die naturidentischen Konservierungsmittel können komplett verstoffwechselt werden, weil sie genau so auch in der Natur vorkommen. Wohingegen synthetische Konservierungsmittel nicht verstoffwechselt werden können.

Melanie: Das ist dann wahrscheinlich mit der wichtigste Unterscheidung zwischen naturidentischen Konservierungsmittel zu synthetischen Konservierungsmittel. Super Hinweis. Das heißt letztlich, wenn ich meine Creme mit diesen naturidentischen Konservierungsmittel haltbar mache, ist das eben immer noch im Bereich der Naturkosmetik?

Anke Ajana: Ja, es gibt naturidentische Konservierungsmittel die eben auch für die Naturkosmetik zugelassen sind.

Mit naturidentischen Konservierungsmitteln arbeiten

Melanie: Noch eine wichtige Anmerkung. Wenn du mit naturidentischen Konservierungsmitteln arbeitest, dann solltest du dich vor allem als Anfänger ganz genau an die Rezepte halten.

Melanie: Gibt es jetzt so als abschließende Frage noch etwas zu beachten, wenn ich Naturkosmetik selber mache?

Anke Ajana: Eine Sache möchte ich noch zum Gebrauch der naturidentischen Konservierungsmittel sagen. Da ist es dann auch noch wichtig den PH zu testen. Es gibt viele Konservierungsmittel, die nur in einem bestimmten PH Bereich wirksam sind. Das sollte auf jeden Fall noch beachtet werden.

Fang einfach an

Das gesamte Interview findest du auch als Podcast weiter oben oder auf den einschlägigen Podcast Plattformen. Das Interview wurde für den Blog ein bisschen verkürzt und angepasst. Wir wünschen dir auf jeden Fall ganz viel Spaß bei deinen ersten Experimenten und hoffen sehr, dich zu mehr Natürlichkeit auch für deine Haut inspiriert zu haben. 

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