Melanie zeigt dir, wie wundervoll man Giersch verarbeiten kann. Probiere ein Pesto, das dich auferweckt.
Wer mehr über ihn lesen, will, ist bei Judith Koch gut aufgehoben. Ihr Buch “Alte Heiler. Ein neuer Weg zu den Wildkräutern” widmet dem Giersch ein sehr anschauliches Kapitel. Erschienen ist das Buch im Freya-Verlag.
Ein wunderbares Buch über die Botschaft unserer Pflanzen hat auch Ursula Stumpf verfasst. In “Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter” widmet sie dem Giersch ein paar Seiten im Zusammenhang mit dem Frühling und verrät, welche Eigenschaften er in uns zum Klingen bringt.
Jedem Gärtner jagt es jede Menge Schauer über den Rücken, wenn er an diesen grünen, nimmermüden Gesellen denkt, der sich ziemlich dreist durch die höchst mühsam angelegten Beete schlängelt. Kaum ist eine vorübergehende Ordnung zwischen Lavendeln und Levkojen, zwischen Mondviolen und Maasliebchen hergestellt, zack, zerstört das mühselig komponierte Bild der Geißfuß, der scheinbar des Teufels ist.
Ächzend und stöhnend fällt man auf die Knie und reißt das gezähnte Blattwerk mit zusammengebissenen Zähnen mit aller Gewalt aus, ständige Flüche begleiten die Tat. Leider sind die Wurzeln derart gut im Boden verankert, dass die Nummer mit dem Rausziehen eine Geduldsprobe – fast ohne Ende ist. Tief gräbt sich Meister Giersch in die Erde, weil er scheinbar genau da für immer bleiben will. Er trotzt selbst Glyphosat. Und das will was heißen.
Deshalb stellt sich doch die Frage, ob man nicht mit ihm besser leben kann, weil es ohne ihn ohnedies fast aussichtslos zu sein scheint. Was wäre, wenn er bliebe? Wenn wir uns das Ganze mal genauer betrachten, stellen wir ein paar Dinge fest:
Giersch ist ziemlich gut erkennbar. Die Altvorderen nannten ihn den Geißfuß. Vielleicht hat der Teufel ja seinen Dreizack im Spiel. Drei, drei, drei – mit Giersch bist du dabei.
Gierschblätter lassen sich gut am dreikantigen Blattstiel erkennen, wobei eine Kante abgerundet und die gegenüberliegende Seite konkav eingezogen ist. Die erste drei. Er hat immer drei Blätter aus aus einem Stängel. Zweite drei. Und die tauchen immer im Dreierpack auf. Dritte drei.
Soweit, so hoffentlich so klar, denn beim Giersch ist die Gefahr von Verwechslungen mit giftigen Geschwistern tatsächlich gegeben. Er ist ein sogenannter Doldenblütler. Kleine, weiße Sternchen erwachsen schirmförmig aus der Sprossachse. Leider tun sie das beim ziemlich berühmt-berüchtigen Schierling auch.
Freundlichere Pflanzenschwestern in dieser Familie sind die nette Angelika, auch als Engelwurz bekannt, oder ein ganzes Mittagessen mit Möhren und Sellerie, Liebstöckel, Fenchel, Kümmel, Anis und Petersilie.
Nähmen wir weiter mal an, wir pflückten seine Blätter und probierten sie. Denn, nein, wenn es sich eindeutig um Giersch handelt, ist er absolut nicht giftig. Was passiert? Er schmeckt. Überraschend gut, nämlich nach Petersilie. So in der Art zumindest. Gegessen haben ihn schon die Römer, die ihn bei ihren Feldzügen schlichtweg mitbrachten. Die Römer gingen, der Giersch blieb, er hat halt den Hang zum Bleiben.
Ließe er sich deshalb nicht vielleicht auch in der Küche verwenden? In der Tat. Neben der Brennnessel ist Giersch eines unserer ältesten Wildgemüse. Zu praktisch allen Suppen, im Salat, im Smoothie, im Dip und in der Limo bereichert er den Reigen der Aromen ums Aparte. Zumindest im Frühjahr und im Frühsommer. Danach, das sollte man wissen, wird er etwas penetrant. Aber jetzt, in der Sonne sitzen und einen Almdudler trinken, wo wir die Berge dieses Jahr schon nicht sehen können, gemacht aus Giersch, Melisse, Pfefferminze und Gundermann in Apfelschorle und mit einem Hauch Zitrone abgeschmeckt. Das perlt.
Du kannst ihn auch trocknen und als Tee beim Zipperlein trinken. Denn: Er schmeckt nicht nur, er heilt sogar. Ahnst Du es? Er trägt seine Heilkraft im Namen? Er hilft bei Gicht. Und bei Rheuma oder Ischias. Du kannst Umschläge aus seinen Blättern machen, die wirken gegen Insektenstiche. Ein Kräuterbuch aus dem Jahr 1625 weiß zu berichten, dass man ihn ebenso „zu den faulen Fiebern in Wein gesotten“ trinken kann. Das ist ja vielleicht auch mal eine Idee.
Du kannst ihn sogar räuchern. Er setzt seine Energie in kräftigenden Rauch um, der dich ermuntert.
Weil wir ja Zahlen und Fakten so lieben und viele den Erfahrungen der Kräuterkundigen nicht trauen- hier sind welche:
Die jungen, grünen Blätter enthalten (je 100 g) etwa: 200 mg Vitamin C, 5 mg Carotin, 130 mg Calcium, 5 mg Magnesium, 3 mg Eisen und 2 mg Kupfer. Ein Pfund an Gesundheit, so viel dürfte jetzt klar sein.
Giersch folgt uns auf dem Fuß, mit seinem Geißfuß. Des Teufels General mit sanfter Seele. Hören wir doch auf, ihn einfach lästig, sondern einfach lässig zu finden. Laissez-faire, wie der Franzose so sagt. Wachsen lassen. Wirken lassen.
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